Oberschwaben setzt ein Zeichen gegen Rassismus

Artikel von Gerhard Maucher, “dieBildschirmzeitung” (Link:https://www.diebildschirmzeitung.de/diebildschirmzeitung/diebildschirmzeitung-le/803-kundgebung-gegen-rassismus) vom 13.06.2020.

Ravensburg – Auch der Ravensburger Marienplatz reihte sich am Samstag in die Reihe bundesweiter Schauplätze von Demonstrationen gegen Rassismus ein. Anlass war die Ermordung des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis durch einen Polizisten am 25. Mai.

Seitdem sind Millionen Menschen, erst in den USA, jetzt weltweit auf die Straßen gegangen, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu demonstrieren. 8:46 Minuten hatte der Polizist auf Floyd gekniet und ihm die Luft abgeschnürt. I can`t breathe (ich kann nicht atmen) waren seine letzten Worte, bevor er starb.

Zu 8:46 Minuten knieenden Gedenken riefen die Veranstalter Die Linken Ravensburg die rund 300 versammelten Demonstranten auf. Sogar mehr als angemeldete 200 Teilnehmer waren gekommen, Schwarze, Weiße, viele junge Leute, aber auch einige ältere Personen. Zu Wort meldeten sich allerdings nur die Jüngeren. Schon auf dem Weg zum Marienplatz traf ich zwei junge, weiße Frauen, 18 und 19 Jahre alt, die befragt nach ihrer Motivation zu demonstrieren, antworteten, sie finden es nicht richtig, dass andere wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden.

Es ist nicht ihre erste Kundgebung, auch bei fridays for future waren sie schon dabei. Die Rednerinnen und Redner auf der Kundgebung waren überwiegend schwarzer Hautfarbe. Nur am Anfang erinnerte eine weiße Sprecherin an den Rassismus in Deutschland, an Oury Jalloh, der 2005 in einer Gewahrsamszelle der Polizei in Dessau starb. Er ist dort mit fixierten Händen und Füßen verbrannt. Sie spricht von strukturellem Rassismus, Der Fall Jalloh wurde 2019 ungeklärt, eingestellt. Die schwarzen Rednerinnen und Redner sprachen von Alltagsrassismus, so wie Regina aus Marokko.

Ihre Mutter hatte ihr einen extrem deutschen Namen gegeben und sie so erzogen, dass sie perfektes Hochdeutsch spricht. Die 22-jährige Studentin berichtet trotz alledem von 22-jähriger Erfahrung rassistisch angeredet und behandelt zu werden. Frank, ein Vertreter des DGB bedankt sich beim Veranstalter und findet es wichtig, dass das Thema jetzt auf der Tagesordnung steht. Dass es dort nicht so schnelll verschwindet, sind sie alle gekommen, wie Kalifa aus Gambia, ein Flüchtling, der von seiner Angst spricht, raus zu gehen und nichts weiter als Inklusion und Integration einfordert. Ob schwarz, ob weiß, ob gelb oder grün, die Welt sei kunterbunt.

Ein anderer Schwarzer aus Gambia erklärt in Englisch, die Geschichte Afrikas, das der weiße Mann mit vielen schwarzen Opfern erobert habe. „Stop killing black people, we are not animals“, fordert er. „No justice, no peace“ und immer wieder „Black Lives Matter“ sind die Parolen. Wir brauchen keinen Rassimus in unserer Gesellschaft, so auch der Standpunkt einer Rednerin, die als Sinti und Roma von Diskriminierung berichtete und sich mit ihren schwarzen Schwestern verbündete. Die Veranstaltung endete mit einem Dank an die Polizei, die für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hatte.

Einer der Zuschuer kam aus Eritrea. Er lebt schon seit 35 Jahren in Wangen und jetzt in Ravensburg. Er befürchtet, dass der Protest nach zwei Wochen wieder vergessen sei, obwohl der Veranstalter ein Weitermachen angekündigt hatte. Nach seiner Erfahrung müsse man den Rassismus ertragen, aber es berührt ihn, dass heute so viele seiner Hautfarbe gekommen sind.

 

Please follow and like us:
error

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.
error

Dir gefällt dieser Beitrag? Teilen erwünscht!